Marie Von Manteuffel Familie

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Marie Von Manteuffel Familie | Auf den griechischen Inseln leben seit Jahren Erwachsene, Kinder und sogar schwangere Frauen in fadenscheinigen Zelten zwischen Ratten und Schlangen. Marie von Manteuffel, Expertin für Auswanderung und Flucht, hat mehrfach die Flüchtlingslager auf den Inseln Lesbos und Samos besucht.

In der siebten Folge von „Emergency Room“ erzählt sie die Geschichten von Menschen, die seit Monaten, manchmal sogar Jahren auf die Bewilligung ihres Asylantrags und eine gesicherte Existenz in Europa warten.

Marie sah Menschen, die trotz widrigster Lebensumstände versuchten, sich einen Anschein von “Normalität” zu schaffen, sei es durch den Anbau einiger selbst angelegter Beete oder die Einrichtung einer provisorischen Bäckerei mittendrin Morias Zelte. Eine Podcast-Folge über die anstrengende Suche nach einem Funken Optimismus.

hat ein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen. 2015 kam sie zu dem Schluss, dass das Aushandeln von Lizenzverträgen für Filme und Fernsehsendungen nicht der beste Einsatz ihrer beruflichen Fähigkeiten war. Seitdem arbeitet Marie mit und für diejenigen, die aufgrund von Konflikten, Gewalt oder Diskriminierung ihre Häuser evakuieren.

Sie ist Teil der Advocacy-Abteilung von Ärzte ohne Grenzen, die sich gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Politik und Zivilgesellschaft für eine humanitärere Flüchtlingspolitik einsetzt.

Ich bin seit dreieinhalb Jahren bei Ärzte ohne Grenzen als politische Referentin für Flucht und Migration tätig. Die Organisation ist verantwortlich für den Unterhalt einer Vielzahl von Initiativen auf der ganzen Welt, die Flüchtlinge medizinisch versorgen.

Die Geschichten von Menschen auf der Flucht sind etwas, dem meine Mitarbeiter täglich in verschiedenen Teilen der Welt begegnen und das sie erleben.

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Gerade diese Geschichten müssen wir dringend diskutieren, insbesondere mit den politischen Entscheidungsträgern: Wir müssen sie daran erinnern, dass sie sich engagieren und die humanitären Bedingungen in den riesigen Flüchtlingslagern in Bangladesch, Jordanien, Libanon, und Irak, in Äthiopien, Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo, in Niger, Tschad und Nigeria sowie in ganz Lateinamerika.

Doch das kommt nur sehr selten vor – und der Grund dafür liegt auf der Hand: Seit Jahren liegt der politische Fokus der Regierungen in Europa beim Thema Flucht und Migration auf der Abschottung und Ausgrenzung anderer Länder.

Die direkte Folge davon wird die Senkung des Lebensstandards derjenigen sein, die unseren Schutz am dringendsten benötigen. Das Ganze findet auf europäischem Boden und entlang der Grenzen der Europäischen Union statt!

Seit Jahren spreche ich mich mit meinen Mitarbeitern gegen die prekäre Situation von Flüchtlingen auf den Inseln Griechenlands aus.

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Ich war persönlich in den Flüchtlingslagern auf Lesbos und Samos und konnte mit eigenen Augen sehen:

Das aktuelle Szenario auf den griechischen Inseln ist von allgegenwärtiger sexualisierter Gewalt geprägt.

Ein öffentliches Engagement für Menschen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, ist notwendig und erwünscht. Darüber hinaus setzen wir uns als Organisation weiterhin dafür ein, Überlebende auf der ganzen Welt mit gründlicher medizinischer Versorgung zu unterstützen.

Dieses öffentliche Bemühen entspricht jedoch in keiner Weise den Ereignissen, die an den Grenzen Europas zu anderen Ländern stattfinden.

Seit dem Jahr 2019 haben unsere Mitarbeiter auf den Inseln Samos, Lesbos und Chios insgesamt 325 Opfer sexualisierter Übergriffe medizinisch versorgt.

Unter den Opfern waren allein reisende Frauen, Mitglieder der LGBTQIA-Community, unbegleitete Jugendliche und Personen mit Beeinträchtigungen. Diese Zahl ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs im Hinblick auf das Gesamtproblem.

Nach Angaben der Überlebenden hatten sie diese brutalen Ereignisse entweder auf den Fluchtwegen, in ihren eigenen Ländern oder häufiger in den Hotspot-Lagern auf dem europäischen Kontinent. Es gibt Situationen, in denen es sogar mehr als einmal passiert.

Welche Art von Hilfe wird denen geleistet, die das Erdbeben auf den griechischen Inseln überlebt haben, und welche Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen? Wie berücksichtigt der Prozess der Zufluchtssuche vergangene Traumata und aktuelle Verwundbarkeiten?

Die Reaktionen sind unbefriedigend: In Lagern wie Vathy auf Samos gibt es kaum Sicherheits- und Schutzmaßnahmen. Besonders gefährlich sind die Toiletten und Duschen wegen der großen Entfernung zwischen ihnen und der unzureichenden Beleuchtung.

Das hat katastrophale Auswirkungen zur Folge, etwa dass allein reisende Damen nachmittags auf das Trinken verzichten, um nicht mitten in der Nacht aufstehen zu müssen, um auf die Toilette zu gehen.

So wenige Überlebende, die den Mut haben, Vorfälle den örtlichen Behörden zu melden, erhalten von diesen Behörden nicht viel Hilfe. Stattdessen werden sie in genau dieselben gefährlichen Umgebungen zurückgebracht, in denen die Angriffe stattfanden.

Dies

Die Reaktion der Sicherheitsbehörden führt häufig sogar dazu, dass das Opfer das traumatische Ereignis noch einmal erlebt.

Unsere Teams sind in vielerlei Hinsicht hilflos. Wir können nur ambulante Behandlungen anbieten und sind uns bewusst, dass sich die Person nach Abschluss einer Therapiesitzung wieder im Camp melden muss.

Wir haben wiederholt darum gebeten, dass die lokalen Behörden vorbeugende Maßnahmen ergreifen und die Überlebenden in sichere Unterkünfte auf dem griechischen Festland bringen, damit sie dort übernachten können.

Sicherer und ausreichender Wohnraum für Menschen aus benachteiligten Gruppen ist jedoch seit jeher Mangelware. Sowohl zivilgesellschaftlich organisierte Unterkünfte wie das PIKBA-Camp auf Lesbos als auch größere UN-Projekte wie das alte Camp Kara Tepe und das ESTIA-Schutzprogramm wurden geschlossen.

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In nicht allzu ferner Zukunft sollen nach den Plänen der EU-Kommission Schutzbedürftige in Lagern untergebracht werden, die für die Öffentlichkeit nur teilweise zugänglich sind. Die Entfernung zur umgebenden Bevölkerung ist das primäre Unterscheidungsmerkmal.

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Die Asylverfahren werden beschleunigt, aber Rechtshilfe wird nicht garantiert. Die unmittelbare Folge davon ist, dass unsere Patienten einer nach dem anderen durch das Raster des Systems fallen.

Sie sind aufgewühlt und haben mangels rechtlicher Vertretung keine Chance, das offizielle Wirrwarr zu überleben.

All dies findet in Lagern statt, zu denen Nichtregierungsorganisationen in den kommenden Jahren noch weniger Zugang haben werden. Infolgedessen wird die endgültige Unterstützung höchstwahrscheinlich verhindert.

Eine Entscheidung, die aus unserer Sicht sehr enttäuschend ist. In den vergangenen Wochen haben wir von zahlreichen Politikern in hochrangigen Positionen gehört, dass es keine „neuen Morias“ geben dürfe.

Der von der Kommission vorgelegte Vorschlag erlaubt Schutzsuchenden nun den Verbleib an den Außengrenzen und kündigt für die Mehrzahl dieser Personen verschlankte Verfahren an.

Dies war ein wesentlicher Bestandteil des 2016 zwischen der EU und der Türkei erzielten Abkommens, und seit fast fünf Jahren sind wir Zeuge der schrecklichen humanitären Zustände, die solche Ankündigungen in Lagern an den Außengrenzen der EU hervorrufen.

In ähnlicher Weise betonte die Vizepräsidentin der Kommission, Margaritis Schinas, wie wichtig es sei, Verantwortung und Solidarität nicht als gegensätzliche Konzepte zu betrachten. Aus unserer Sicht hätte gerade jetzt ein klares Signal gesendet werden müssen, dass die EU trotz pragmatischer Überlegungen letztlich alle Entscheidungen an ihren Werten ausrichtet. Das wäre die angemessene Antwort gewesen.

Wir fordern schon seit langem, dass Schutzsuchende nicht mehr Monate und Jahre in zum Teil komplett abgeriegelten Lagern leben müssen.

Asylverfahren müssen dezentralisiert werden; diese können von den Staaten an den EU-Außengrenzen nicht mehr nennenswert bewältigt werden.

Darüber hinaus erwarten wir, dass die individuellen Schutzbedürfnisse besonders gefährdeter Personen wie Kinder, Schwangere, Kranke und Traumatisierte berücksichtigt werden.

Sie benötigen Schutz sowie eine Politik, die ihr Vertrauen in das innerhalb der EU geltende Rechtssystem wiederherstellen kann.

Wir fordern, dass Mindeststandards für die Unterbringung und Versorgung von Schutzsuchenden etabliert werden und diese Aufgaben nicht weiter an Mitglieder der Zivilgesellschaft delegiert werden, wie dies in Griechenland seit vielen Jahren der Fall ist.

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